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Blog aus Ecuador

Meine Krisen und wie Ecuadorianer so etwas meistern

Frank Isfort am 20. April 2011

Für das, was uns nervös und unruhig werden lässt, haben Lateinamerikaner oft nur ein müdes Lächeln über.

Anfang Februar hatte ich eine Krise. Man hat vergessen mir Geld zu schicken und ich war total abgebrannt, die Sparkasse wollte mein Konto wegen zu geringer Bewegung auflösen und auch sonst waren einige Dinge nicht so toll. Das regte mich innerlich auf und ich merkte, wie deutsch ich bin. Wir Deutschen sind an ein mehr oder weniger geregeltes, abgesichertes Leben gewohnt und geraten sofort in Krise, wenn etwas aus dem Lot gerät.

Hier sagen die Leute, „reg dich nicht auf, mach dir nicht so viele Sorgen, es wird schon werden, wirst schon sehen, alles regelt sich, alles wird gut“. Manchmal könnte ich die Leute für solche Aussagen ohrfeigen, weil ich glaube, die verstehen nicht, wie ich mich fühle.

Doch die Leute hier wissen sehr wohl, wie beschissen das Leben sein kann. Sie überleben, weil sie die Zuversicht haben, dass alles gut werden wird mit ihrem Gottvertrauen. Sie sagen auch: “Dios te apreta, pero no te ahorca”, was heisst, „Gott macht es dir schwer, doch er erhängt dich nicht“. Da ist etwas dran, das Leben zeigt uns immer wieder neu wie es irgendwie weiter geht.

Meine Freundin Susi aus Mindo empfahl mir für die Stunden meiner Krisen ein nettes Buch: La culpa es de la vaca (Die Kuh ist Schuld) von Jaime Lopera Gutiérrez und Marta Inés Bernal Trujillo.

Die Leute hier in Ecuador sind an das Leben in Unsicherheit gewöhnt, es ist weit verbreitet, keine feste Arbeit, kein Geld, keine Versicherung, keinen festen Partner zu haben. Deshalb wundern sie sich, wenn ich als Ausländer in Situationen der Unsicherheit nervös werde und aus dem Gleichgewicht gerate.

Seit ich das Land kenne, bewundere ich diese positive Lebenseinstellung der Leute. Obwohl ich glaube, gar nicht 100% typisch deutsch zu sein, sondern flexibler, risikofreudig und relaxend. Und doch kostet es mich einiges, in solchen Momenten mehr Gelassenheit zu zeigen. Es lohnt sich aber. Es geht immer wieder neu weiter. Sich über alles aufregen oder frustrieren hilft ja auch nicht weiter, damit ändert sich nichts. Es ist nur eine sinnlose Verschwendung von Energien, die für die Lösung von Problemen wesentlich gewinnbringender eingesetzt werden könnten.

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