Gruppenbild Aguas Frías lernende Kinder an Tischen Mädchen auf dem Küchentisch Gruppenbild Aguas Frías Unterrichtsort mit interessiertem Kalb

Blog aus Ecuador

Der tägliche Kampf ums Geld

Frank Isfort am 20. April 2011

In Ecuador ist die Armut allgegenwärtig. Viele Menschen müssen ums tägliche Geld und ihr Überleben kämpfen. Jeder entwickelt Strategien, wie er mit der Armut umgeht.

In Esmeraldas gibt es nicht genug bezahlte Arbeit und viele Menschen leben unter dem Existenzminimum. Die Armut prägt die Menschen und macht sie hart und erbarmungslos. Die Kriminalitätsrate ist höher als in anderen Landesteilen. So gibt es Leute die morgens losziehen, sich etwas klauen und versuchen einen Doofen zu finden, den sie ausnehmen können.

Überall wird versucht einen Vorteil für sich herauszuholen. Das Wechselgeld wird oft falsch herausgegeben, nichts ist umsonst und viele angebotene Waren fielen angeblich vom LKW. Einmal sah ich, wie jemand einer Frau das Handy aus der Hand riss. Etwas später ging dieselbe Person mit zwei Plastiktüten voller Lebensmittel an mir vorbei. Das war für ihn offenbar ein erfolgreicher Tag gewesen.

Allerdings wird auch Geld an Bettler gegeben, welche mit haarsträubenden Geschichten versuchen, die Leute zu erweichen.

Kleine Küchen in Hausnischen oder unter Zelten auf dem Bürgersteig sind für viele Frauen eine wesentliche Überlebenshilfe. Es werden ein Gaskocher, Tische und ein paar Plastikstühle aufgestellt und einfaches Essen angeboten. Nicht immer geht es dabei hygienisch zu wie z. B., wenn alles in einem Eimer gewaschen wird, ohne das Wasser häufig genug zu wechseln.

StrassenverkäuferinEs gibt unzählige Straßenverkäufer die mit allem Möglichen vollbeladen, oder auch nur mit einer Bonbontüte, versuchen Käufer für ihre Waren zu finden. Meistens sind die auf der Straße verkauften Produkte billiger als in den Geschäften und oft von besserer Qualität.

Viele Händler bieten ihre Produkte in den Bussen an, z. B. Süßigkeiten oder Wundermedizin. Sie gehen durch den Bus, drücken jedem Reisenden fünf Bonbons oder die Wunderpillen in die Hand und manche erzählen bis zu 10 Minuten ausführlich von ihren schlechten Lebensumständen, ihren Heldentaten oder gegen was die Wundermedizin aus China hilft – natürlich gegen alles! – und nach der Bezahlung eines Dollar ist man geheilt.

Was keinen Käufer findet wird wieder eingesammelt. Wenn man eines dieser Produkte kauft, ist es gut möglich, dass es vorher schon 10 oder mehr Leute in der Hand hatten.

Bei Überlandfahrten stürmen in jedem Dorf Horden von Verkäufern den Bus und schreien mit ihren irrsinnig lauten Stimmen durcheinander hunderte Male ihre angebotenen Produkte: Getränke, Empanadas (Pasteten in Teighüllen), Brötchen oder Früchte. Ich halte das manchmal kaum aus und werde innerlich unruhig und aggressiv. Mir fehlt diesbezüglich die Gelassenheit der Leute hier.

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