Gruppenbild Aguas Frías zuversichtlich in die Zukunft Knabe auf der Dorfstrasse spielende Kinder im Wasser Unterrichtsort mit interessiertem Kalb

Blog aus Ecuador

Scheiße! Jetzt scheint die Lage richtig zu explodieren.

Frank Isfort am 12. Oktober 2019

Proteste

Es wird immer doller! Ausgangssperre! Flughafen geschlossen! Angriffe auf Fernsehsender, Staatsanwaltschaft usw.! Die Angst steigt!

Wie ich gerade von Freunden erfahren habe, hat sich die Situation gestern und heute so hoch geschaukelt, dass die Regierung eine Ausgangssperre angeordnet hat. Der Präsident Lenin sprach nur ein paar Sätze, es gilt für die ganze Stadt und wurde vor 30 Minuten angekündet und alle Menschen aufgefordert, nachhause zu gehen. Auch soll das Militär die Anweisung haben hart durchzugreifen.

Wie vor einigen Tagen das Rote Kreuz, so hat auch der Präsident an alle Handybesitzer eine Nachricht verschickt und die Ausgangssperre verkündet.

Ich habe die Ausgangssperre und Militarisierung von Quito und den angrenzenden Tälern angeordnet. Sie wird um 15:00 Uhr wirksam. Dies wird die Leistung (Arbeit) der öffentlichen Gewalt erleichtern.

Auch der Flughafen soll geschlossen sein. Ich frage mich nur warum. Für ankommende Flieger ist es verständlich, doch das man den Leuten die Möglichkeit nimmt das Land zu verlassen kann ich nicht nachvollziehen.

Der Fernsehsender Teleamazonas wurde angegriffen, vorher die Contraloría (es schien als ob sie brennen würde), nun heißt es, es gebe Angriffe auf die Staatsanwaltschaft. Das sieht ganz danach aus, dass die Urheber wie vermutet nicht die Indios sind, sondern von außen und vom alten Präsidenten gesteuert werden.

Proteste

Das Internet in Mindo ist überlastet, langsam geworden und fällt oft für längere Zeit aus. Da wird die Arbeit an diesem Blogeintrag zur Geduldsprobe.

Jetzt kommen alle paar Minuten neue Horrornachrichten. Die Videos, die die Runde machen, zeigen wie aggressiv und brutal die Leute geworden sind. Ein Video zeigt wie ein Demonstrant einen Kopfschuß bekommt und die Aufregung danach. Andere Videos zeigen, wie der Mob Eisengitter wegreißen, einen Fernsehsender stürmen und anzünden.

Die politisch motivierten Machtspielchen stürzen das ganze Land in Chaos und Ruin. Wenn der Mob erst ‘mal loszieht werden Menschen zu Tieren und die letzten Hemmungen fallen. Das macht mit Magenschmerzen. Wie eine Handvoll aufgehetzter Menschen (ca. 500.000) ein ganzes Land lahmlegen kann verwundert mich. Das die große Mehrzahl (ca. 17.000.000) nur jammert, das jetzt nichts mehr läuft und die Geschäfte immer weniger in den Regalen haben, wundert mich noch mehr. Lassen sich von den Indios auf der Nase rum tanzen.

Die sind systematisch, wie auch die Trittbrettfahrer, aufgehetzt worden. Jetzt schieben sie natürlich alles auf die anderen und stellen sich als friedliche Demonstranten dar. Nur wer hat die ersten Supermärkte geplündert, Polizisten, Soldaten und Reporter als Geiseln genommen, wer hat die Stadt Ambato vom Strom- und Wassernetz getrennt, wer hat den Dialog abgelehnt und die Gewalt nach Quito getragen? Das waren die friedlichen armen unterdrückten Indios. Das verlogene und zynische, auch von Regierungsseite, ist das Schlimme in diesem Machtspielchen.

Proteste

Öffentliche Gebäude, Radio- und Fernsehstationen sind jetzt die bevorzugten Ziele. An vielen Kreuzungen der Stadt werden Feuer angezündet und wer konnte hat sein Haus, Restaurant oder Geschäft verbarrikadiert. Es wurde gewarnt auf keinen Fall die Türen zu öffnen, auch wenn die Leute wie Polizisten oder Militär aussehen.

Das eine Ausgangssperre kommt war abzusehen und sie scheint zum größten Teil zu funktionieren. Wie mir Freunde in Quito berichten, sind die Straßen Menschenleer und auch an den Brennpunkten ist es ruhiger geworden. Nachts und auch tagsüber sollen jedoch öfter Schüsse zu hören sein. Leider gibt es keine verlässlichen Informationen, auch über Verletzte und Tote nicht. Alle Geschäfte sind zu und wer keine Lebensmittel gebunkert hat, wird nun Hunger bekommen.

Einige Traveller jammern jetzt im Netzt, wie Schlimm alles ist, sie irgendwo fest sitzen, alles geschlossen ist und sie nichts mehr kaufen können. Doch wer alles besser weiß und nicht auf „alte weißhaarige weiße Männer“ hören will, muss halt fühlen und wird zur Lachnummer für die.

Drei recht informative Links über dieses Thema
World Socialist Web Site
amerika21
nachdenkseiten

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