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Blog aus Ecuador

Reisen mit Bus, Pick-up oder Auto

Frank Isfort am 25. Februar 2011

Während meiner Busreisen fahre ich öfters an Unfällen vorbei, wie letztens, als mehrere Autos neben der Straße lagen und ich im grünen Gebüsch das Gerippe eines Autotransporters liegen sah.

Es sah auf den ersten Blick schlimm aus, doch dem Fahrer des Transporters ist nichts passiert. Ein gelungener Blechschaden. Der Transporter ist auf der nassen Strasse wegen überhöhter Geschwindigkeit auf eine Wiese gerutscht und umgekippt.

Die Busse haben entweder alle Zeit der Welt oder verbreiten Hecktick, als ob eine Tsunamiwelle einen Meter hinter ihnen wäre. Bei Pausen während längerer Reisen kann es passieren, dass den Leuten nicht genug Zeit zum Pinkeln gelassen wird und man beim zurückrennen zum Bus abschütteln muss, dieser dann aber an der nächsten Ecke 10 Minuten stehen bleibt, weil noch zu viele freie Plätze sind und es erst weitergeht, wenn alle Sitze belegt sind.

Viele Busgesellschaften haben festgelegte Zeiten und unterwegs Stechuhren. Das hat zur Folge, dass der Busfahrer entweder schleicht, weil er noch zu früh ist und von Schubkarrenfahrern überholt wird, oder wie ein Bekloppter rast, um Zeit aufzuholen. Das ist neben Alkohol und Übermüdung auch einer der Gründe der vielen Busunfälle in Ecuador.

Auch Fahrten mit Pick-ups haben es in sich. Oft überladen und noch voll gepackt mit Menschen, geht es mit hoher Geschwindigkeit über die Pisten und Landstraßen. Am Anfang bin ich tausend Tode gestorben, auch weil ich weiß, wie gefährlich es ist. Ich denke, dass ich bis jetzt einen guten Schutzengel gehabt habe und, wenn es sein soll, dann ist es halt so. So ist hier das Leben. Ist auch gar nicht so selten, dass Leute bei Vollbremsungen über die Ladefläche fliegen und gegen das Gitter hinterm Führerhaus krachen.

Es ist zwar offiziell verboten auf dem Dach eines Buses oder der Ladefläche eines Pick-ups mitzufahren, doch es ist auch nur eines der vielen Gesetze die da sind, um nicht beachtet zu werden. Wie die Menschen manchmal oben auf dem Dach sitzen oder sich am Rand der Mulde festkrallen, ist Gottschalk reif! Die könnten wahrscheinlich auch Außenwettkönig werden. Aber wehe es muss mal eine Vollbremsung gemacht werden oder es passiert ein Unfall, dann sieht man viele Supermänner umherfliegen – nur ohne die chicen Anzüge und meist endet es mit richtig schweren Verletzungen.

Bei den Rancheras und den Hühnerbussen, die an jeder Milchkanne halten, erlebt man immer wieder, dass das Leben hier langsamer und gemütlicher verläuft. Da wird schon mal angehalten, damit jemand noch seinen Einkauf machen kann, es wird mit anderen Leuten geklönt oder viele Reisende steigen aus, um sich irgendwas anzuschauen.

Auch sind die Busbegleiter oft sehr hilfsbereit und tragen Gepäck rein oder raus. Dafür sind die Insassen umso stoffeliger. Es wird eigentlich nie Platz gemacht und man muss sich oft mit Gewalt durchkämpfen. Auch wenn in den Sitzreihen noch ein Platz frei ist, braucht man nicht zu glauben, dass nur einen Zentimeter Platz gemacht wird. Da muss man schon ruppig werden, doch das kommt auch nicht gut an. Doch, was soll man machen, wenn die nicht reagieren?

Die Busbegleiter haben eine Himmelsgeduld. Einmal die vollen Busse und dann die Leute die einfach ignorieren zu bezahlen weil sie kein Geld haben. Oft steigt eine Mutter mit mehreren Kindern ein und wird richtig pampig, wenn sie zahlen soll. Ist oft befremdlich für uns Ausländer, mit welcher Abschätzung und Erniedrigung viele Menschen hier die anderen behandeln.

Hunde und andere Tiere sind seit einiger Zeit in den Überlandbussen verboten, was zur Folge hat, dass wegen den Vierbeinern einige Leute Schwierigkeiten haben zu Verreisen.

Auf den Straßen sieht man immer mehr Autos, obwohl es heißt, dass die Armut zugenommen hat. Mir hat man gesagt, dass sind die Drogengelder, doch viele Ecuadorianer arbeiten im Ausland und schicken Geld zur Familie. Auch sollen sich wegen dem Prestigeobjekt Auto viele Leute überschuldet haben, der Kühlschrank soll deshalb leer sein und viele sollen auch ihre Grundstücke und Häuser verkauft haben. Hauptsache ein Auto! Für Reparaturen reicht das Geld dann oft nicht mehr – wen stören schon abgefahrene Reifen oder kaputte Bremsen?

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