Gruppenbild Aguas Frías Kinder im Bach Baby mit Schwein im Hof spielende Knaben Frau in der Küche

Blog aus Ecuador

Proteste gegen Benzinpreiserhöhung

Frank Isfort am 5. Oktober 2019

Proteste

Die Bevölkerung wehrt sich natürlich dagegen. Da der Präsident Moreno den Forderungen der Demonstranten nicht nachgeben will und Befürchtungen hat, dass sich die Proteste hoch schaukeln, wurde kurzerhand der Ausnahmezustand ausgerufen.

Ich werde diesen Blogeintrag solange wie es notwendig ist weiter aktualisieren und auch das Drumherum beschreiben.

3.10.2019
Deshalb werden sich auch einige Infos widersprechen. Die Situation im Lande ändert sich ja dauernd. Dann gibt jemand die Infos weiter, ein anderer wiederum das Gegenteil. Zum Glück habe ich Freunde die gut informiert und vernetzt sind. So bin ich relativ sicher was stimmt und was nicht. Den offiziellen Nachrichten traue ich auch nicht so.

Der Ausnahmezustand gelte 60 Tage. Es gehe darum, den Verkehr aufrechtzuerhalten und das Funktionieren der Wirtschaft zu sichern. Die Verfassung ermächtigt den Staatschef im Fall eines Ausnahmezustands zur Einschränkung der Pressefreiheit, Sperrung der Grenzen und zum Einsatz der Streitkräfte.

Taxi-, Bus- und Lkw fahren im ganzen Land nicht mehr und in mehreren Städten wurden Stadt- und Fernstraßen blockiert. Durch den Wegfall der seit mehr als 40 Jahre gültigen Subventionen stieg der Preis für eine Gallone Diesel von 1,03 auf 2,30 Dollar, für Benzin von 1,85 auf 2,39 Dollar.

Morenos Regierung hatte im Februar einen Kredit über 4,2 Milliarden Dollar vom Internationalen Währungsfonds erhalten, musste im Gegenzug aber Reformen anstoßen.

Proteste

Ich habe nicht mit so einer Heftigkeit gerechnet, sitze seit 3 Tagen in Quito fest und weiß nicht wann ich wieder zurück nach Aguas Frías fahren kann. Durch die ständig wechselnden Straßensperren im ganzen Land ist es ein Risiko für Busse und Taxis zu fahren. Man weiß nie wie sich die Situation hoch schaukeln kann und dann sind die Busse bevorzugte Opfer der Gewalt. Natürlich wird die Situation auch ausgenutzt und Straßensperren nur errichtet, um die Fahrzeuge gegen Geld weiter fahren zu lassen. Obwohl die Regierung sagt dass sie die Lage unter Kontrolle hat, fahren trotzdem keine Busse. Da wird mal wieder alles schön geredet.

Hier in der Hauptstadt Quito, wie im ganzen Land, werden die Proteste auch von Randalieren genutzt um Krawall zu machen. An der staatlichen Uni habe ich mir zum Spaß das Treiben aus sicherer Entfernung mal angeschaut. Die Protestler werfen mit Steinen auf die Polizisten, die mit Tränengas antworten. Es geht immer ein Stückchen vorwärts und wieder ein Stückchen zurück. Ein kleines Wellenspielchen. Die Polizei stellt einige gepanzerte Fahrzeuge hin, an denen sich die Chaoten-Protestler austoben können. Große Verwüstungen und Plünderungen soll es zum Glück bis jetzt nicht gegeben haben.

Proteste

Da keine öffentlichen Verkehrsmittel fahren ist es angenehm ruhig in der Stadt geworden. Leute mit Privatautos nutzen es jetzt aus, fahren umher wie sonst die Taxis und befördern Leute zu Wucherpreisen. Jetzt ist auch die Sunde für die Streikbrecher von Uber gekommen.

Dumm ist es auch für die Touristen, die jetzt festsitzen und nicht wissen wie es weiter geht. Ein Tourist hat mir erzählt, dass er 7 Stunden gebraucht hat vom Flughafen weg zu kommen. Taxis haben die Zufahrt gesperrt. Die Polizei räumt zwar die Sperren an den wichtigsten Punkten, doch es entstehen sofort woanders neue Sperren. Sämtliche ausländischen Touristen die in meinem Hostal waren sind zum Flughafen und wollen das Land verlassen. Es wurden jedoch einige Auslandsflüge gestrichen und ich kann mir vorstellen was für ein Chaos da herrscht. Die Touristen die im Land unterwegs sind und nicht weiterkommen haben die „Arschkarte“ und hängen fest.

In der Gegend, wo ich immer in Quito absteige, ist es ruhig. Allerdings sind die Leute nervös. Als ich Essen war, fuhr ein Polizeiauto mit Sirene vorbei und hat die Laden- und Restaurantbesitzer vor dem Mop gewarnt. Sofort hieß es, der Pöbel kommt auch hier hin und alle Gäste wurden hinaus befördert und das Restaurant verrammelt. Auch die Nachbarrestaurants und Geschäfte haben sofort geschlossen. Doch die Proteste haben sich bisher nur an den üblichen Orten, wie Uni und Altstadt (Präsidentenpalast), abgespielt.

Wie es im Land aussieht weiß ich bis jetzt nichts Genaues. In Guayaquil und Esmeraldas soll es jedenfalls auch Gewaltproteste gegeben haben.

Proteste

Einige Touristen sind aufs geradewohl zum Flughafen, um Flüge nach Kolumbien oder Peru zu bekommen. Bis jetzt sind nur wenige Flüge abgesagt worden. Ich warte noch ab bis die Busse hoffentlich bald wieder fahren. Mit ein bisschen Glück bekomme ich auch ein Ticket.

Touristen in meinem Hostal erzählten mir, dass sie sich Fahrräder leihen wollten um wenigstens ein bisschen mobil zu sein. Nur blöd, dass auch andere den Gedanken hatten und alle verliehen waren.

Vor 10 Jahren haben Busse, Taxis und Polizei gestreikt und auch das Land mit Straßensperren lahm gelegt. Da hieß es, dass es unmöglich sei zu reisen. Ich habe es trotzdem versucht und es von Baños nach Quito geschafft. Es dauert nur länger und ist teurer. Zwischen den Straßensperren fahren nämlich private Pickups. Da fährt man halt bis zur Sperre, läuft rüber und nimmt den nächsten Pickup. Mit viel Gepäck ist das allerdings problematisch.

Jedenfalls nutze ich die Zeit in Quito um Blogeinträge zu schreiben, mit Bekannten und Touristen abzuhängen und blöd aus der Wäsche zu schauen. Dann müssen die Kinder halt noch einige Tage ohne mich auskommen. Wie Isabel mir gerade geschrieben hat gibt es zwischen Esmeraldas und Atacames noch Straßensperren. Weil sie nicht durch kommt, kann sie heute keinen Unterricht geben.

Wie ich gerade erfahren habe soll der Streik beendet sei. Einige Taxis fahren jedenfalls wieder, doch Busse habe ich bis jetzt noch keine gesehen. Im Büro von der Busgesellschaft Trans Esmeraldas hat man mir gesagt, dass immer noch keine Busse zur Küste fahren.

Also mindestens noch einen harten Tag länger in Quito bei Cappuccino, Torten und vegetarischem Essen. Grausam! Das Leben ist schon hart.

6.10.2019
Noch einige Ergänzungen

Es geht weiter und ich Träumer habe gedacht, die Lage beruhigt sich und ich kann endlich weiter nach Aguas Frías fahren.

Ich bin weiter mittendrin und wie ich soeben erfahren habe scheint die Ruhe trügerisch zu sein. Es wird gemunkelt, dass der vorherige Präsident Correa der Urheber der Proteste sein soll und er ein organisiertes Chaos möchte, um die jetzige Regierung zu schwächen. Doch das kann auch nur Propaganda sein, so recht möchte ich das nicht glauben.

Die Taxis und Fuhrunternehmer haben den Streik nach Gesprächen mit der Regierung abgebrochen. Sie sollen wohl die Zusage bekommen haben, die Kosten auf die festgesetzten Preise umlegen zu dürfen. Doch es geht weiter mit dem Streik, nur nicht mehr offiziell.

Jedenfalls ist der offizielle Streik abgesagt und kaum einer hält sich dran. Zwar ist die Lage in Quito noch relativ ruhig, doch in anderen Landesteilen, wie z.B. in Guayaquil, werden Supermärkte und Geschäfte geplündert. Auf so etwas wartet der Mob natürlich. Was die Lage jetzt jedoch verschärft sind Anschläge auf Stromleitungen in Ambato und da stecken keine normalen Demonstranten hinter. Die Krawalle sind auch nur in den Problemvierteln wo die Armen wohnen. Die Reichen streiken nicht und leben ihr Leben weiter.

Die Indios sind auf ihrem Marsch nach Quito und sie werden für diese Nacht erwartet. Das ist natürlich ein ganz anderes Kaliber wenn hunderttausende Menschen in die Stadt strömen um ihre Sache zu „regeln“. Die Indios haben auf diese Art schon öfter ihren Willen durchgesetzt und auch Präsidenten zur Flucht getrieben.

Die Indios leben oft noch in den alten traditionellen Gemeinschaften und haben teilweise noch ihre alte Rechtssprechung. Viele wissen gar nicht worum es geht. Wenn die Gemeinschaft beschließt zu Demonstrieren, müsse alle mir, sonst gibt es Strafen.

Zu allem Überfluss beginnt Montag noch ein Generalstreik und da kann es dann richtig krachen. Mal schauen wie es weiter geht und wie alles ausgehen wird. Für mich wird es jedenfalls teuer denn Hotels und Essen ist nicht billig in Quito. Jetzt sitze ich schon 4 Tage fest und das Ende ist nicht abzusehen.

7.10.2019
Weitere Ergänzungen

ProtesteProteste Langsam schaukelt sich die Aggression hoch. Immer mehr Straßensperren, Unruhen und Plünderungen. Es heißt 500.000 Indios sind auf den Straßen und ca. 20.000 sind schon im Süden von Quito eingefallen. Unterwegs haben sie geplündert wo es geht. Wer nimmt auch schon Essen mit.

Sie haben Polizei- und Militärsperren überrannt und Geiseln genommen. Mittlerweile ist klar, dass sie einen Umsturz wollen. Die Parole ist: Wir verhandeln nicht, wir wollen die Regierung stürzen. Ich verstehe nicht, warum ein Ausnahmezustand ausgerufen wird, und dann nichts gemacht wird. Warum lässt man es soweit kommen und warum lässt man den Mop überhaupt bis in die Stadt kommen?

In Quito ist eine ganz eigenartige Stimmung. Gewalt in der Altstadt, Demonstrationen mittlerweile an vielen Orten und Polizeisirenen überall. Große Supermärkte haben geschlossen oder sich verbarrikadiert und lassen die Leute nur noch durch eine kleine Türe rein. Da durch die Straßensperren keine Waren mehr transportiert werden und die Menschen wie verrückt einkaufen, sind viele Produkte und Lebensmittel ausverkauft. Die kleinen Mini-Tiendas und Straßenverkäufer fangen schon an Phantasiepreise zu nehmen.

Ecuadorianische Stellen und auch die Deutsche Botschaft warnen ab Dienstag nicht mehr auf die Straße zu gehen, sich vorher mit Lebensmittel einzudecken, noch zum Automaten und Geld besorgen. Es kann sein, dass es an den Geldautomaten bald kein Geld mehr gibt. Da die Indios angekündigt haben die Tankstellen zu plündern, sollen zur Sicherheit auch die Autos noch vollgetankt werden.

Meinen Gedanken, sich irgendwie über die alte Passstraße nach Mindo durchzuschlagen, habe ich bei der aggressiven Stimmung schnell verworfen. Ausländer sind dann schnell bevorzugte Opfer. Da bin ich beim Gerd im Hostal Zentrum wahrscheinlich sicherer. Ich habe hin und her überlegt und mich doch für den sicheren Weg entschieden.

Doch man weiß es nicht wie sich alles entwickeln wird. Ich habe ja zuerst gedacht das ist schnell vorbei, doch jetzt fängt es erst richtig an. Zuerst hieß es am Montag, doch am Mittwoch soll nun der große Generalstreik beginnen. Bei den impulsiven und aufgehetzten Menschen kann das ganz schnell in großer Gewalt enden. Ich habe zwar keine Angst, doch mulmig ist mir jetzt schon.

8.10.2019
Weitere Ergänzungen

Ich habe mich noch mit Lebensmittel eingedeckt, damit ich nicht „verhungere“, wenn das Land im Chaos versinkt. Das hoffe ich aber nicht, doch Vorsicht ist besser als Nachsicht. Wo ich bin, in der Mariscal, ist es ruhig. Es sind Leute auf der Straße, es fahren sogar Taxis, doch bis auf einige Minitiendas sind die Geschäfte geschlossen. Einige Geschäftsinhaben schlafen in ihren Geschäften aus Angst vor Plünderungen oder weil sie nicht nach Hause kommen.

Proteste

Der Unterricht wurde an allen Schulen Ecuadors für unbestimmte Zeit ausgesetzt.

Schwere Vorwürfe hat der Präsident Moreno gegen seinen Amtsvorgänger Rafael Correa und Venezuelas Präsident Nicolás Maduro Präsident erhoben. Sie sollen hinter den gewaltsamen Protesten stecken, sie finanzieren und einen Putsch planen.

Präsident Lenín Moreno hat Quito wegen der angespannten Lage verlassen und soll die Regierungsgeschäfte nach Guayaquil verlegt haben. Mittlerweile soll er in der Militärbasis in Manta sein. Jetzt beginnt das Versteckspielchen. Hier bin ich, nein hier bin ich, nein hier auch nicht …

Die Konföderation der Indigenen Völker will den Streik so lange fortgesetzt, bis die Regierung die umstrittenen Maßnahmen zurücknimmt. Das lehnte Moreno ab. Am Mittwoch soll der landesweite Generalstreik beginnen. Da kann sich die Wut der Menschen weiter hochschaukeln.

Proteste

Demonstranten und Polizei werfen sich gegenseitige brutale Übergriffe vor. Da ist was dran. Wer mit Gewalt anfängt erntet Gewalt. Die Indios stellen sich schon immer gerne als arme, verfolgte und benachteiligte Minderheit dar. Doch wenn sie anfangen die Infrastruktur zu zerstören, plündern und Geiseln nehmen brauchen sie sich nicht wundern wenn es eine auf die Nase gibt. Ein Zeichen das die Polizei sich zurück hält sind die Anzahl der Verletzten. Über 2/3 bei der Polizei. Und Verletzt haben die sich ja nicht selber sondern die „friedlichen“ Indios.

Proteste

9.10.2019
Weitere Ergänzungen

So ganz scheint der Aufstand bei mir noch nicht angekommen zu sein. Als ich meine Bewegungsrunde gedreht habe bin ich auch zum Park Elejido gekommen. Der war richtig voll mit Leuten. Überall waren kleine Grüppchen, es wurde Volleyball gespielt und die Atmosphäre war ruhig und friedlich. Da habe ich gedacht, klar, alles normal, so wie sonntags. Es wurden an jeder Ecke Tröten und Ecuador T-Shirts verkauft und ich habe noch gedacht: Komisch, heute ein Fußballspiel?

Doch ein paar Meter weiter habe ich dann das Menschenmeer gesehen und überall waren kleine Feuer. Plötzlich setzte die Menge sich mit lautem Jubel in Bewegung und stürmte den Berg Richtung einem Regierungsgebäude zu hoch. Einige Sekunden später gab es Schüsse und die Menschen rannten panisch in einer Tränengaswolke wieder den Berg runter. Ich habe mich dann lieber verdrückt und im restlichen Park war es ruhig und friedlich wie vorher.

Proteste

Viele Menschen hatten jedoch Stöcke und Stangen dabei. Zur Randale, zur Verteidigung – keine Ahnung warum. Am Rand vom Park standen etliche Polizeigruppen hinter Metallabsperrungen, doch auch noch ganz entspannt.

Wenig später kamen dann jedoch ca. 50 Polizeimotorräder mit zwei Polizisten drauf, Kranken- und Feuerwehrwagen. Die Polizisten stellten die Motorräder zu einer Barriere auf und dann kam der Pulk angelaufen und wollte sich auf das Hilton stürzen. Es wurden Fensterscheiben eingeworfen, doch in einer Tränengaswolke sind sie dann geflüchtet und weiter gerannt – genau in meine Richtung. Ich habe mich natürlich auch schnell einen Blog weiter verdrückt. Sicher ist sicher.

Später haben es einige Demonstranten geschafft in den Präsidentenpalast zu kommen, wurden dann von der Polizei hinausgedrängt. Es gab viele Verletzte und hunderte Personen wurden festgenommen.

Proteste

Jetzt gibt es um Regierungsgebäude Sicherheitszonen und von 22:00 bis 5:00 Uhr eine Ausgangssperre.

Das Rote Kreuz verschickte an alle Handybesitzer Nachrichten, das sie NEUTRAL, unabhängig, unparteiisch sind und allen helfen, die sie ohne Diskriminierung brauchen. Lassen sie uns Notfälle behandeln. Krankenwagen, Personal und Sanitäter retten Leben.

ProtesteProtesteProteste Die Demonstranten in Quito sind hauptsächlich Indios und die anderen Einheimischen stehen am Rand und filmen mit ihren Smartphone.

Da es keinen öffentlichen Verkehr und Taxis gab, waren viele Menschen zu Fuß unterwegs, was etwas seltsam aussah. Alles Geschäfte und Restaurants geschlossen, ganz wenige Autos unterwegs, doch die Bürgersteige voll Menschen.

Selbst an den Bushaltestellen standen welche. Diejenigen die Privatwagen, Pickups oder kleine LKWs haben, nutzen die Lage jetzt aus, fahren durch die Stadt, transportieren Leute und verdienen gut dabei. Es ist natürlich dann Glücksache ob man wirklich weg kommt. Nasisa, die Helferin im Hostal kam jedenfalls wieder und schlief notgedrungen im Hostal.

10.10.2019
Weitere Ergänzungen

Heute habe ich meinen Großstadtkoller bekommen. Fast alles hat zu, man kann nichts machen, nachts der Krach der Tränengasböller und die Polizeisirenen waren bis zum Hostal zu hören.

Gestern bin ich tagsüber noch etwas herumgelaufen, doch wenn alles geschlossen und verrammelt ist, kommt bei mir eine ziemlich blöde Stimmung auf.

Viele Menschen gingen in Richtung Elejido-Park um sich wieder die Spielchen mit der Polizei zu liefern. Autokonvois fuhren hupend, fahnenschwenkend, grölend und mit erhobener Faust durch die Stadt. Darunter war auch ein mit Menschen vollbeladen Autotransporter. Ich hatte den Eindruck, da fährt eine Menschenkugel auf Rädern. Unglaublich wie und wo die Leute sich da festgekrallt haben.

Doch eine latente Angst hatte ich schon. Als ich gehört habe, dass die Straßensperre Richtung Los Bancos geräumt werden sollte, bin ich mit zwei anderen Touristen im Taxi nach Mindo. Vorher habe ich mich noch erkundigt ob und wie die Sperre zu umfahren ist und habe es mir in Google Maps angeschaut ob es wahr und machbar ist. Doch es war nicht nötig. Die Straßensperre hat die Polizei geräumt und als wir ankamen waren Radladern dabei die brennenden Barrieren zur Seite zu schieben.

Unterwegs hingen wir hinter einer Schlange von bestimmt 50 LKWs, die wohl alle an der Sperre gewartet haben und nach über einer Woche endlich weiter fahren konnten. Als unser Taxifahrer anfing LKW für LKW waghalsig zu überholen, habe ich nur gehofft, dass nichts passiert.

Die anderen Beiden sind das Risiko eingegangen weiter zur Küste zu fahren, doch Isabel hat mir davon abgeraten. Am Nachmittag sollten weitere Kundgebungen in Esmeraldas und vorher auf halber Strecke in Quinendé und La Union anfangen. Da ich wieder einen Großeinkauf in Quito für die Sonnenschule in Aguas Frías gemacht habe, war mir das Risiko zu groß, dort mit zwei Rucksäcken, Koffer und einer Tasche fest zu sitzen und nicht mehr weiter zu kommen.
So bin ich halt wieder in Mindo und kann wenigstens in schöner Natur mit dem Hotelhund Dozer Wanderungen machen.

Ärgerlich ist es schon, da in der Sonnenschule noch viel Arbeit auf mich wartet. Und es ist ja noch lange nicht vorbei. Doch wenigstens Verhandeln sie jetzt und der Präsident soll wieder in der Hauptstadt sein.

12.10.2019
Weitere Ergänzungen

Ich bin jetzt im ruhigen beschaulichen Mindo. Selbst hier sind Demonstrationen und von der Hauptstraße, die 6 km nach Mindo runter, habe ich einige Überreste vom Autoreifen gesehen die verbrannt wurden. Selbst in Mindo auf der Bolzwiese. Doch das sah alles eher nach gemütlichem Lagerfeuer aus, wo wichtig einige Parolen gerufen wurden.

Was soll das bringen, weit ab von der Regierung im Wald zu sitzen und sich aufregen.

Als ich angekommen bin habe ich erst einmal Freund besucht und am nächsten Tag war ich mit dem Hotelhund den ganzen Tag im Grünen. Heute haben sich einige Dorfbewohner zu einer Alibidemo zusammen getan. Etwa 20 Personen sind durch das Dorf gezogen und haben Parolen gebrüllt.

Ich habe zum Spaß ein kleines Mädchen gefragt was hier ab geht und die meinte ganz ernst und wichtig: Die töten alle die Mindo verlassen. Und hast du Angst? Nein, mir tun die nichts. Mein Papa ist doch dabei.

Die Information, dass die Indios und der Präsident jetzt endlich verhandeln sollen, ist wohl eine Falschmeldung. Die Indios bleiben weiter bei ihrer Meinung. Wir verhandeln nicht bevor die Streichung der Subventionen nicht zurück genommen werden.

Wenn die Indios los ziehen, dann mit Sack und Pack, mit Kindern und alten Leuten. Das ist ihre Kultur. Wenn dann alle.

Mittlerweile sind viele Straßensperren aufgehoben. Die Demonstranten haben wohl gemerkt, dass sie, wenn sie weiterhin keine LKWs durchlassen, die Lebensmittel in ihren Supermärkten zur Neige gehen. Dann lassen wir sie doch lieber durch bevor wir hungern.

Obwohl es hieß das Taxis und Busse nicht weiter streiken werden, fährt im Land kein Bus. Es ist auch nicht abzusehen wann. So sitze ich halt weiter fest.

Drei recht informative Links über dieses Thema
World Socialist Web Site
amerika21
nachdenkseiten

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