Gruppenbild Aguas Frías spielende Knaben unter dem Haus lernende Kinder an Tischen Gruppenbild Aguas Frías Kindergruppe

Blog aus Ecuador

Meine Eindrücke des Drumherum der Sonnenschule

Jan von dem Esche am 29. noviembre 2018

JanJan

Das Leben in Sálima ist eindrucksvoll rustikal und ländlich geprägt.

Die Menschen wohnen mehrheitlich in Familienverbänden in kleinen Holzhütten, welche teilweise notdürftig mit Plastikplanen oder Wellblechen abgedeckt sind. Das Klima mit den nahezu gleichbleibend hohen Temperaturen bei Tag und Nacht, sowie die reichhaltige Fülle der Natur, lassen die Menschen über die Runden kommen. Die Kinder haben außerhalb der Sonnenschule in der Regel kein besonderes Spielzeug, sondern sie verbringen ihre Zeit z.B. damit, auf Bäume zu klettern, sich Mangos pflücken oder eben spielend auf der Straße. Aguas Frías hat mittlerweile eine betonierte und an der Sonnenschule sogar beleuchtete Straße, was einen riesigen Entwicklungsschritt bedeutet. Es gibt zudem ein kleines Fußballfeld mit zwei Bambusfußballtoren neben der Sonnenschule. Fußball ist der Nationalsport Nr.1 in Ecuador und so verwundert es nicht, dass das Fußballfeld auch täglich genutzt wird.

In Aguas Frías gibt es kein Telefon, Internet oder Fernsehempfang. 300 m entfernt an einen Hügel, hat man an guten Tagen bis zu zwei Balken Telefonsignal, was zum Versenden einer SMS reicht, jedoch keine Internetverbindung ermöglicht. In Atacames gibt es einige Restaurants und Cafe`s mit Wifi, für welches man sich das Passwort erfragen kann. Man kann in Atacames auch seine Wäsche waschen, falls man nicht im naheliegenden Bach waschen möchte. Fahrten in die nächstliegende Stadt Atacames (ca. 20 min.) können mit dem Bus oder mit einem Triciclo bestritten werden. Beide fahren jedoch nicht in der Nacht, so dass eine vollständige Notfallapotheke ratsam ist. Als „gestandene Männer“ hatten Frank und ich keine Schmerztabletten im Haus und ich habe in meiner letzten Nacht den ersten Migräneanfall meines Lebens bekommen. Kurze Zeit später hatte Frank ein anderes schmerzhaftes „Erlebnis“.

Wenn der Abend kam und die letzten Kinder die Sonnenschule verlassen hatten, haben Frank und ich meist noch ein Feierabend Bier getrunken und uns unterhalten. Generell bin ich immer recht früh ins Bett gegangen, nachdem es dunkel wurde. Natürlich kann man auch was in Atacames unternehmen, das habe ich jedoch nur ein oder zweimal gemacht. In Atacames gibt es in der Nähe vom Strand z.B. eine Touristenpromenade mit recht lauter Musik, die auch nachts belebt ist. Generell ist es dort auch abends nicht gefährlich, man sollte jedoch einsame Nebenstraßen wie üblich meiden. Eine Rückfahrt von der Promenade bis nach Aguas Frías kostet mit Nacht- und Angstzuschlag bis zu 7 Dollar, denn die Tricicleta-Fahrer fahren eher ungern nach Aguas Frías rein. Für die freien Tage, wenn kein Unterricht ist, eignen sich auch mehrtägige Ausflüge z.B. nach Mompiche, Muisne, Sua, Esmeraldas. Mompiche ist als kleines Surfernest zu empfehlen, wo man auch andere Touristen antreffen kann.

Das Nationalgericht „Patacones“ (doppelt frittierte Bananenscheiben) konnte mich leider nicht überzeugen. Zudem ist das Fleisch von Haus aus eher zäher in Esmeraldas. Jedoch schätzen manche eben genau diese Speisen, von daher ist diese Wertung eher subjektiv zu betrachten. Alternativen gibt es genug, insbesondere wenn man selbst kocht. Frank hat eine komfortable Küche in der nach Belieben gekocht werden kann. Als mein persönliches Favoritenessen hat sich Encebollado herauskristallisiert. Das ist eine Art „Suppe“ mit großen Fischstücken, die jedoch nur zum Frühstück und Vormittag serviert wird. Frank kann hier gute Restaurant Empfehlungen geben.

Viele Volontäre haben in der Nähe der Sonnenschule in den kleinen Städten Atacames oder Sua gewohnt und sind regelmäßig nach Aguas Frías zur Schule gependelt. Frank lässt einem hier die freie Wahl. Im Obergeschoss der Sonnenschule ist genug Platz und es ist für ecuadorianische Verhältnisse ein sehr hoher Komfort. Es gibt ein eigenes Bad mit Dusche und zwei große Räume mit jeweils einem großen Bett. Auch das Gebäude ist optisch meines Erachtens eines der schönsten, die man in Aguas Frías /Atacames finden wird. Es steckt viel Liebe und Verstand in der Sonnenschule und die Luft ist natürlich angenehmer auf dem Land. So war für mich klar, dass ich durchgehend auf dem Land in Aguas Frías bleiben wollte.

Eine wichtige Empfehlung für zukünftige Volontäre ist, einen MP3 Player und Oropax mitzunehmen. Die vermeintlich ruhigen Nächte in Aguas Frías können unvorhersehbar und mitunter sehr laut sein. Insbesondere am Wochenende ist konstanter Lärm durch (furchtbaren) ecuadorianischen Schlager wahrscheinlich. Alternativ zum Schlager hat es oft sehr konstantes Hundegebell und Motorädern ohne Auspuff, die gerne nachts auf-und abgefahren. Meist wird der Lärm durch die direkten Nachbarn ausgelöst. Es existiert kaum ein Bewusstsein oder Rücksichtnahme in diesen Dingen. Eine weitere Empfehlung ist eine ausreichende Menge Mückenspray mitzunehmen sowie Sonnenschutz.

Die Sonnenschule habe ich in meinen Wochen als einen Ort erlebt, an dem Kinder sich mit altersgerechten Spielzeug erleben können, zu dem sie ansonsten keinen Zugang hätten. Sie zeigt eine Alternative zum häuslichen und örtlich-kulturellen Leben auf. Dies gelingt sowohl durch den Klassenunterricht und die Erziehung, als auch durch den Kulturaustausch, indem Wertschätzung und Wahrnehmung der Kinder in einem anderen Rahmen stattfindet, als sie es von zuhause gewöhnt sind. Das gibt den Kindern die Chance, Verhaltensmuster zu hinterfragen und langfristig andere Perspektiven einnehmen zu können. Die Unterstützung durch den ergänzenden Klassenunterricht erweitert zudem die bildungstechnischen Perspektivmöglichkeiten. Kultur und Klassenunterricht ergänzen somit einander sinnvoll. Mit Isabel, Frank und der Sonnenschule hat die kleine Gemeinde Aguas Frías einen großen Glücksgriff gemacht. Ich bin sicher, dass die Sonnenschule auch weiterhin die Entwicklung Aguas Frías und seiner Kinder nachhaltig und positiv beeinflussen wird.

Jan

Es war insgesamt eine sehr schöne und spannende Zeit in Ecuador und ich kann die Sonnenschule als Projekt nur empfehlen. Wer als zukünftige/r Volontär/in das Gefühl haben sollte, noch Fragen zu haben, kann sich jederzeit gerne an mich wenden.

jvde@gmx.net

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