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Blog aus Ecuador

Arztbesuche und viel Warterei im Krankenhaus

Frank Isfort am 5. Juni 2019

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Mit Genesis als Beispiel, hier einige Infos über das Gesundheitswesen und die Einstellung der armen Bevölkerung zu Krankheiten.

Genesis bekam plötzlich Unterleibsschmerzen und jede Bewegung tat ihr weh, doch ins Krankenhaus wollte sie nicht so recht. Erst am nächsten Tag ist sie mit ihrer Mutter ins Krankenhaus nach Atacames gefahren, wo sie nicht untersucht wurde und nur Schmerzmittel bekam. Von anderen Leuten habe ich gehört das Schmerzmittel das Allerheilmittel der Ärzte ist. Ich bin dann mit Genesis noch einmal losgezogen um wenigstens eine Ultraschalluntersuchung machen zu lassen. Doch das war in Atacames nicht möglich. Ein Arzt macht diese Untersuchung nur dienstags und bei einem anderen Arzt war das Gerät defekt. Also mit dem Taxi nach Esmeraldas und wir haben es gerade noch vor Feierabend geschafft. Der Arzt war gerade dabei die Tür abzuschließen. Es hat sich herausgestellt, dass die Gallenblase entzündet war. Also wieder ins Taxi und nach Esmeraldas ins Krankenhaus.

Um es kurz zu machen, wir waren bis zur Operation fünfmal dort, was immer mit stundenlanger Warterei verbunden war. Weil wir in Aguas Frías kaum Telefonempfang haben war Isabel die Ansprechperson für die Ärzte und nach einer Woche Warterei ging es plötzlich hoppla hopp. Ich war zum Glück in Atacames als Isabel anrief und sagte, sie habe Genesis aus der Klasse geholt und ich sollte der Mutter Bescheid sagen und einige Sachen für das Krankenhaus packen.Wenn Isabel in einem Funkloch gewesen wäre, hätte Genesis die OP verpasst. Tolle Organisation!

GenesisGenesisGenesis Die OP verlief problemlos, doch Genesis zu besuchen war schwierig, weil das Krankenhaus mir die falschen Besuchszeiten gegeben hat. Auch als ich sie abgeholt habe gab es nur Terz. Erst musste ich mir eine Bewilligung besorgen und dann gab es an jeder Ecke Probleme mit den Sicherheitsleuten. Schließlich musste einer von denen mit mir gehen sonst hätte ich es nicht geschafft zur Station zu gelangen. Das ich mich nicht nackt ausziehen musste wundert mich immer noch. Schlimmer als im Knast.

Die Fäden habe ich ihr gezogen und zwei hat sie selber gezogen. Dafür noch einmal einen 3/4 Tag opfern und mit ihr ins Krankenhaus zu fahren wollte ich nicht. Um die Bescheinigung für die Schule zu bekommen mussten wir sowieso noch dreimal dort hin fahren.

Die Behandlung in den staatlichen Krankenhäusern und eine geringe Anzahl Medikamente ist umsonst. Wenn das nicht wäre würden sich viele Menschen keine medizinische Behandlung leisten können. Da der Andrang und die Wartezeiten sehr groß ist, sollen schon einige Patienten vor den Operationen gestorben sein.

GenesisGenesis Ein weiteres Problem ist, viele gehen nicht zum Arzt, weil sie sich die Medikamente nicht leisten können. So auch Genesis. Ihr tat das Ohr weh und die geringste Berührung tat ihr höllisch weh. Als sie dann noch meinte, dass sie die Schmerzen mit Intervallen schon seit einem Jahr hat, habe ich sie nach Atacames zum Arzt geschleift. Der hat natürlich eine chronische Gehörgangentzündung festgestellt und ihr erst einmal einige Spritzen ins und um das Ohr gejagt. Tags darauf war die Entzündung schon merklich weniger, doch sie musste eine Woche lang sieben Tabletten täglich schlucken und Ohrentropfen nehmen. Doch alles hat nicht geholfen und so sind wir nach einer Woche noch einmal zum Arzt. Geholfen hat es nicht, also wieder zum Arzt, neu bezahlen und jetzt bekommt sie Spritzen und andere Tabletten.

Jeder Arztbesuch kostet 20 Dollar und die Medikamente haben bis jetzt 70,- Dollar gekostet. Das Geld für Arztbesuche haben die meisten Leute auf dem Land nicht. Also gehen sie bei solchen Dingen erst gar nicht zum Arzt oder zum Heiler. Auf dem Land ist es noch weit verbreitet zu Heilern zu gehen. Das sind Leute die sich auf Naturheilkunde verstehen. Allerdings hört der Spaß auf, wenn sie zum Beispiel bei Schlangenbissen irgendein Kraut auflegen. So gehen die Leute erst später zum Arzt und oft ist es zu spät.

Genesis kann froh sein das sie mich hat. Wer würde das sonst für sie tun? Ich habe aber auch andere Kinder schon ins Krankenhaus oder zum Arzt begleitet und ihnen Medikamente bezahlt. So ist das nicht. Es gibt nicht nur Genesis, es hat sich so ergeben. Doch ich unterstütze sie noch von meinem Geld. Sie hilft viel mit in der Sonnenschule und hat bis jetzt viel mitgemacht.

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